Nikki's Club, Mellau 1974 bis 1976

6.11.2015

Zu dieser Zeit war ich im zweiten Lehrjahr als Koch im damals noch neuen Gasthof Adler in Mellau.

Mein Lehrherr Tone Matt fuhr im Oktober 1974 mit seinen Freunden Wilfried Broger und Sigi Lehner nach Llloret de Mar, Spanien auf Urlaub.

Dort lernten sie zum ersten Mal die damals noch junge British-Spanische Bar Szene kennen.

Nach der Rückkehr waren alle drei sehr euphorisch und Tone beschloss im Keller des Gasthof Adler eine Bar einzurichten. Dort befand sich ein leerer Raum, in dem wir jede freier Minute Tischtennis gespielt hatten.

Klaus im ersten Lehrjahr in Mellau

 

In Tone’s Elternhaus in Oberfeld wurde der Schlepper gestartet, Holz und alte Schwarten geladen, die wir zum Bau der Bar benötigten. Tone’s Vater Albert hatte Tone 20.000,00 Schilling geliehen, um das Projekt zu verwirklichen. Er hat damals gesagt, dass er das Geld wohl nie mehr sehen würde. Das wären heute ungefähr 1.450,00 Euro. Bis Weihnachten sollte die Bar fertig werden. Beim Kurfürstversand hat Tone eine Kompakt Stereoanlage mit 2 x 8 Watt Leistung bestellt. In Lloret hatte Tone einige spanische Single Hits und auch Neil Sedaka's Standing on the inside gekauft. Tone hatte damals schon eine kleine, feine Sammlung von Langspielplatten. Es handelte sich um die beiden grünen Alben von Simon und Garfunkel, das weiße Doppelalbum der Beatles, eine LP von Emerson, Lake and Palmer und Their Satanic Majesties Request von den Rolling Stones. Zudem hatten wir die Musikbox im Adler geplündert und einige Singles abgestaubt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Getränkeangebot war äußerst bescheiden. Es gab Weine, Gumpoldskirchner, Sandgrube und Kalterer See im Doppelliter, Mohrenbier in der Flasche, Whisky Cola und den damals beliebten grünen Pefferminzschnaps. Wilfried Broger, der damals in der Spar Zentrale in Dornbirn arbeitete, hatte uns mit Billig-Whisky versorgt. Die Flasche Red Crown kostete im Einkauf 28.90 Schilling. Eine Flasche Whisky mit einer Flasche Cola haben wir um 99,00 Schilling verkauft.

Eigentlich war die Bar nur für Hausgäste und Freunde gedacht. Deshalb gab es nie ein Ansuchen und Behördenverfahren.

 

Die Bar brauchte natürlich einen Namen. Da ich eigentlich Nikolaus heiße, wurde die Bar Niki’s Club getauft. Im Winter besuchte uns ein englischer Fotograf, bei dem wir Visitenkarten in Auftrag gaben. Auf Grund eines Schreibfehlers hieß die Bar ab sofort NIKKIS CLUB.

 

Am 25. Dezember haben wir die Bar eröffnet. Wie gesagt, ich war damals im 2. Lehrjahr und habe die Bar eigentlich alleine geschmissen. Wenn es ganz voll war, hat Wilfried ausgeholfen. Zuerst kamen wirklich nur Freunde und Hausgäste. Schon bald kamen Mitarbeiter der umliegenden Gasthäuser und Hotels. Unter vielen anderen kam auch Machteld, die im Kreuz als Bedienung arbeitete, gerne in die Bar. Sie brachte ‚ihre‘ Musik mit, die ich gar nicht kannte. Es handelte sich um alte Soul Melodien, wie Sam & Dave, Dianna Ross & the Supremes, The Temptations, Marvin Gaye, also das komplette Tamla Motown Register. Außerdem waren da noch wunderbare Jazz Rhythmen von Ramsey Lewis dabei. Ich war von dieser Musik fasziniert. Tone war mehr an Machteld fasziniert und die beiden sind bis heute miteinander verheiratet.

 An der Bar in der Bar

 

Zu dieser Zeit hatte auch das Casino in Bregenz eröffnet. Leo Wilhelm aus Mellau war Groupier der ersten Stunde und brachte nach Feierabend gerne Kollegen mit in die Bar. Der Engländer Roger Thompson, der in der Tenne arbeitete war auch Stammgast bei uns. Er versorgte mich mit neuer Musik von Elton John und Chicago. Irgendwann war es Mode in der Tenne eine Henne aufzureißen und dann in die Adler Bar zu gehen. Das Whisky Programm musste erweitert werden. Chivas, Dimple und Johnny Walker wurden über das schwedische Butterschiff am Bodensee gekauft. Dort konnte man zoll- und steuerfrei Spirituosen und Zigaretten einkaufen. Man trank den Whisky eigentlich nur flaschenweise. Blieb ein Rest übrig, wurde die Flasche mit dem Namen versehen und man konnte sie beim nächsten Besuch leeren.

Das Sortiment

 

Fast zeitgleich hatten die Bergbahnen eröffnet und Mellau durfte sich auf einmal auch über eine Wintersaison freuen. Mein Tagesablauf war folgendermaßen. Von 9:00 Uhr bis 14:00 Uhr war ich in der Küche. In der Zimmerstunde bis 17:00 Uhr ging man zum Schifahren. Dort machte man weibliche Bekanntschaften, die man in die ‚eigene‘ Bar einladen konnte. Das war natürlich cool.

Von 17:00 bis 21:00 ging dann der Küchendienst weiter. Danach schnell noch eine Dusche und ab in die Bar bis um 4:00 Uhr. Das ganze ohne einen freien Tag bis zum Weißen Sonntag. Ich darf gestehen, dass es nicht immer für eine Dusche gereicht hat. Dann wurde der Küchengeruch mit einer gehörigen Ladung Pitralon übertüncht.

Schmuse Ecke

 

Tone hat seinem Vater das geliehene Geld bereits am Dreikönigstag zurückgegeben. Albert hat spätestens dann den Braten gerochen und den damaligen Bürgermeister Dietrich konsultiert. Er wollte die Bar anmelden und öffentlich machen. Das wurde damals wegen Lärmbedenken nicht bewilligt. Die Bar wurde aber auch nie eingestellt. Also hatten wir eigentlich ganz legal eine illegale Kneipe. Die Bar war dann mehr oder weniger regelmäßig offen, bis ich nach der Lehre zum Bundesheer musste.

 

Im Nikki’s Club wurde viel getrunken, diskutiert, geschmust und philosophiert. Der Eingang der Bar war legendär. Durch das Garagentor, vorbei an 6 bis 8 Tonnen Schweinefutter gelangte man in die Bar und Toiletten gab es nur eine Etage höher im Gasthaus. Dorthin gelangte man über die Kellertreppe, durch die Küche und dann aufs WC.

 

Es war eine schöne Zeit zur richtigen Zeit und ich möchte keinen Moment missen. Die Haare waren lang, die Hosen oben eng und unten weit, Strick Pollunders waren Mode und die Pille liberalisierte die Mädchen. Die neue Musik war die beste bis heute und man hat sich den Urlaub redlich vedient.

 

 

 

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